Halli Hallo,
nun hat es zu diesem Eintrag wieder einige Zeit gedauert. Sorrry!
Die letzten Tage waren ziemlich stressig und auch (bzw. vor allem!) emotional für mich, immerhin wohne ich nun alleine und meine Arbeit ist auch offiziell lõppenud. Werd folglich nicht mehr fünf Mal die Woche ins Päevakeskus gehen, nie mehr. Ich frag mich soeben ob ich schon jemals einen Eintrag über meine Arbeitsstelle gemacht habe. Erzählt habe ich ja mit Sicherheit etwas, aber bestimmt noch nichts Ausführliches. Werd ich die Tage mal ändern, aber wenn ich morgen nicht dazu komme, dann dauerts erst mal wieder ein bisschen, da ich morgen erst Besuch komm und am Sonntag dann nach Maarja Küla fahren werde, um den Jaanipäev (=Johannesfeier, für manche vielleicht leider nur unter dem Namen Mittsommer bekannt) ausführlichst zu feiern. Vor Dienstag komm ich folglich nicht zurück. Gut, dass ich Mittwoch dann wieder in Viljandi bin um mir das Deutschlandspiel anschauen zu können!
Achja, die EM...
Das ist so ein Thema hier! Bzw. nein, genau das ist das Problem -es ist nämlich eigentlich KEIN Thema hier! Die Esten beschäftigen sich lieber mit der Olympiade als mit dem Fußball. Wenn man hier also abends in ein Pub geht um sich ein (größeres) Fußballspiel anzuschauen, dann muss man zunächst mal eines finden, das es auch übertägt, und sich schließlich mit äußerst kleinem Publikum zufrieden geben, das dann auch noch nur aus Teenagern besteht.
Das Nächste wär, dass ich durch diese Meisterschaft feststelle wie weit weg Deutschland eigentlich von mir entfernt ist. Nicht nur geografisch! Während die Frischlinge unter den deutschen Freiwilligen hier in Viljandi es so schade finden nicht in der Heimat zu sein, habe ich damit überhaupt keine Probleme, da ich es mir nicht mal vorstellen kann wie es wäre "daheim" zu sein. Dabei bin ich ja diejenige unter uns, die als Erste gehen wird. Achja, ich bin ja jetzt die älteste Freiwillige hier in Viljandi (ohne das tatsächliche Alter zu betrachten). Als ich heut ein Bild von Unterneukirchen angeschaut habe, hab ich bemerkt wie riesig die Berge bei uns sind! Hatte ich schon ganz vergessen...
Ansonsten ist es aber toll hier die EM zu gucken, denn wer kann schon von sich behaupten, sich die Spiele mit Italienern, Österreichern, Franzosen, Holländern und was weiß ich noch alles anschauen zu können? Hat schon was!
An meinem eigentlich letzten Arbeitstag haben wir einen Ausflug Richtung (nicht direkt) Tallinn gemacht um uns diverse Museen anzuschauen und den Jägala-Wasserfall zu begutachten. War schon sehr beeindruckend! (Werd im Nachhinein noch Fotos reinstellen!)
Zu diesen estnischen Museen muss ich noch ein paar Worte fallen lassen. Es ist schon Wahnsinn wie oft ich mich in den letzten knappen zehn Monaten mit der (deutschen) Geschichte auseinandersetzen "musste"! Dass die Nazis von jemanden nicht als permanent böse angesehen werden und teilweise sogar bevorzugt gewesen wären (frei nach dem Motto: "Lieber unter den Deutschen als unter den Russen"), kann man sich in der Schulzeit, in der man zwar aufgeklärt und abgeschreckt wird, aber nur die "eine" (die deutsche bzw. generell westliche) Seite kennenlernt, nicht vorstellen. Vorher hab ich von niemanden je zuvor eine Gegenmeinung gehört; und hier ist es ganz normal in Museen Hakenkreuze zu zeigen -auch noch ohne (negative) Wertung. Kann mich noch an das erste Mal erinnern an dem ich ein Hakenkreuz "einfach so" und nicht in einem Buch abgebildet gesehen habe -und an meine Reaktion darauf. Hätte ja nie gedacht, dass mich sowas derartig erschrecken kann.
Wer also mal seine Vergangenheit aktiv bewältigen will, der möge doch mal für eine kurze Zeit nach Osteuropa auswandern... (ich erinnere mich noch zu gut an den Kerl, der sich so sehr gefreut hat, dass Deutsche in seinem Land arbeiten, da "der Hitler ja ein so tüchtiges Volk ausgebildet hat").
Nun aber zu einem weniger drastischen Thema: Estnische Straßen! Yippie! Jedes Mal freu ich mich wieder, wenn ich eine neue, komplett aufgerissene Straße zwischen einer großen Stadt und Viljandi entdecke! Und wie die Esten über die Baustellen drüberrasen...
Hab mir im Frühjahr erklären lassen, dass jedes Jahr im Frühling/Sommer die Straßen aufgerissen werden. Da frag ich mich natürlich was das soll, ob die Esten es nicht fertigbringen normale Straßen zu bauen, kann ja nicht sein, dass die jedes Jahr wieder unbrauchbar sind. Tja, was ich nicht bedenkt hatte, ist, dass der estnische Winter ja auch ein ganz anderer ist als der deutsche zum Beispiel! Durch das Eis werden die Straßen komplett zerstört, da kann man auch gar nix dagegen machen. Und wenn das Eis dann letztlich nach all dem Schnee hinwegschmilzt, dann werden die Straßen eben arg holprig...
Ja, so ist das!
Und deshalb diese Reparaturen jedes Jahr erneut...
Da ich jetzt grad leider eigentlich gar keine Zeit habe, aber mal wieder ein Lebenszeichen geben wollte, werd ichs nun auch wieder packen, immerhin ist noch was zu tun (außer Großputz heut bei mir in der Wohnung und bisschen Dinge-erledigen in der Stadt hab ich nicht viel gemacht) ;)
Viele Grüßle,
die Andy
PS: In Estland werde sogar ich von Mücken zerstochen...
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