Dienstag, 18. Dezember 2007

Mal was GANZ anderes...

Tere, tere,
nicht mal lange dauert es bis es Weihnachten ist bzw. bis ich zumindest einen Teil von euch sehe. Freu mich schon :)
Was aber nicht heißen soll, dass ich mich deshalb in mein Zimmer einsperr und gar nix mehr mach, im Gegenteil! Ihr glaubt mir ja nieeee was ich heute gemacht habe: Ich war im Knast!

Nun aber erstmal zu dem was ich am Wochenende so getan habe (die Spannung muss ja noch bleiben ;)):

Am Wochenende wäre eigentlich eine Geburtstagsfeier in Tallinn gewesen, auf die ich ursprünglich ganz gern wollte, aber weder Geld noch Motivation ließen es zu. Na, aus 2terem Grund war das also nicht sooo schlimm, denn so konnte ich mal wieder bissal ausspannen. Samstag gings dann ohnehin nach Maarja Küla, eine andere -wie solls auch anders sein: deutsche- Freiwillige besuchen. Nein, keine Sorge, davon müsst ihr noch nix gehört haben, denn dabei handelt es sich um ein kleines Dorf, in dem Behinderte mit ein paar Aufsichten wohnen. Jedes Haus dort hat einen Namen, ich hab natürlich im Saksa Maja, also Deutschen Haus, übernachtet. Übrigens war die Ankunft schon relativ spektakulär (zumindest für mich *g*): Da wir ja nicht wussten, wann wir in Maarja Küla sind und aussteigen müssen, wollten Marie und ich den Busfahrer am Anfang gleich fragen, ob er uns dann bescheid geben kann, wenn es soweit ist. Irgendwie hatten wir aber den Eindruck er versteht ned so recht was wir von ihm wollen ^^. Naja, trotz allen Befürchtungen hat er dann doch den Namen gerufen als wir "dort" waren. Draußen wartete schon die Freiwillige, die sofort was von "wenn der Bus weg ist" und "kein Licht" geredet hat. Da hab ich mich erst gefragt, was soll das denn, mir aber nicht allzu viele Gedanken gemacht -naja, bis ich dann feststellen musste, dass es, als der besagte Bus weitergefahren war, so pechschwarz war, dass ich mir erst mal wieder ins Gedächtnis rufen musste, wo genau auf der anderen Straßenseite die anderen Freiwilligen, die ebenfalls die Nacht hierblieben, standen... "Och, hier ist es doch eh so hell, ihr müsst auf den Weg durch den Wald warten! DA ist es dunkel!" Okay! Tja, schon ein lustiges Gefühl, wenn man sich selbst nicht mehr sehen kann! :D

Nun aber zu dem was es mit dem Dorf auf sich hat:
Nein, es handelt sich hierbei nicht um ein Camphill-Projekt. Aber ein bisschen Ähnlichkeiten hat es wahrscheinlich durchaus: "Normale" Menschen, quasi ein paar Erzieher sowie Freiwillige (momentan ein Belgier, eine Französin, eine Deutsche, wobei eine Ex-Freiwillige aus Frankreich wieder zurückgekommen ist, also sinds dann doch zwei), leben mit Behinderten in einer Gemeinschaft, essen und kochen mit ihnen, sitzen mit ihnen beinander, reden, schauen fern, machen Spiele und auch sonst was man sich so vorstellen kann... Am Wochenende ist nichts besonderes geboten, aber glaube, dass unter der Woche noch bisschen mehr passiert. Freiwillig ist das natürlich auch, kein Behindeter wird dazu gewzungen hier zu bleiben. Manche bleiben, manche gehen.
Finanziert wird das übrigens größtenteils vom Staat -es gibt also doch eine soziale Seite hier in Estland ;)

Toll war am Abend mal wieder in die Sauna zu gehen. Danach wollten wir Eisbaden ausprobieren, nachdem die Herren vor uns eh schon ein Loch in den See gemacht haben (mit welchen Mitteln auch immer ^^) um selbst reinzuspringen. Tja, haben wir dann auch; die ganz neu dazugekommene Französin hat daraufhin gleich Probleme mit ihrem Kreislauf bekommen und ist zusammengeklappt, zum Glück erst als sie wieder zurück in der Sauna war und ned im Wasser...

Auch lustig war es (zumindest im Nachhinein), als ich zusammen mit einer anderen Freiwilligen nach der Saune in "unser" Haus gehen wollten. Das Dorf selbst ist ja ein bisschen beleuchtet, so sahen wir dadurch auch, dass jemand in der Nähe vom Waldesrand umherirrte. Gehört haben wir, dass er nach Alkohol geschrieen hat. Wir beide gingen erstmal mit relativ schnellem Tempo schweigend nebeneinander, doch als der Kerl irgendwie in unsere Richtung kam und schneller wurde, bin ich sofort losgesprintet (weiß ich ja nicht, ob das irgend ein Kerl aus dem Wald ist oder ein Behinderter; selbst in 2terem Fall muss es nicht unbedingt ein angenehmer Zusammenstof sein, wenn es dazu kommen sollte!). Die andere auch, ich war also nicht die Einzige, die sich in die Hosen gemacht hat!
Naja, jedenfalls sind wir ins Haus, haben die Schuhe nur noch irgendwo in ein Eck gefetzt und flitzen dann in unser Zimmer, wo Marie schon schlief. Wir hörten nur auf zu lachen und zu reden (da gings dann ja schon), weil die schon mehr oder weniger schlafende Marie sich über unseren Lärm beschwerte.

Aber gut, so viel dazu...
jetzt zu der Geschichte mit dem Gefängnis:

Von etwa vier (könnte auch halb fünf gewesen sein) bis sechs Uhr war ich mit dem Chor im Gefängnis von Viljandi, wo wir fünf Lieder gesungen (bzw.eines davon vorgespielt) für die Insassen, die zwischen 16 und 22 Jahre alt und viele darunter natürlich russisch-sprechend waren. Was die genau angestellt haben, ob es schlimme Verbrechen waren -keine Ahnung, nach wie vor nicht! Aber was ich zumindest rausfinden konnte (was eh klar war), waren die Reaktionen. Wenn man in so ein Gefängnis geht und vor solchen Leuten singt, weiß man ja nicht was einen erwarten wird, ob die nur rumsitzen und warten bis wir aufhören, ob sie uns komplett ignorieren oder vielleicht gar ausbuhen...
Bevor wir reingingen, haben Maria und ich noch wen gefragt wie das denn so ist, da meinte eine, dass die auf "uns", also den Chor, im Gegensatz zu anderen Leuten (andere Chöre oder was auch immer, Leute, die da eben auch schon mal auftreten wollten) sehr positiv reagieren und "uns" mögen. Keiner weiß aber wieso.
Naja, jedenfalls haben die sich echt gefreut, manche haben sogar gelacht und gefeixt, (wir sind danach ja nicht gleich raus, sondern ein paar von uns haben sich unter sie gesetzt und mit ihnen geredet -was für uns eher ungünstig war, denn wir können weder gut estnisch noch russisch) und mitgeklatscht.
Als wir zusammenpackten und die Jugendlichen danach wieder in ihre Zellen mussten, hat mir einer noch eine Weihnachtskarte mit einer Rose als Motiv in die Hand gedrückt. Niedlich :)

Komisch war es auf jeden Fall in so einem Gefängnis zu stehen, schon alleine durch die Sicherheitskontrollen (wobei sich die bei mir irgendwie in Grenzen gehalten hatte: zwar wurde mein Ausweis auch angeschaut, aber hätte ich nix gesagt, hätte ich den gar nicht mit abgeben müssen, stattdessen hatte mit der Wärter den wieder zurück in die Hand gegeben; außerdem hat er nicht mal in den Sack, den ich dabei hatte, reingeschaut...); dann natürlich hinter den Mauern zu stehen, an den Insassen vorbeizugehen, letztlich nur wenige Meter vor ihnen zu stehen und ihnen was vorzusingen... hatte fast schon was Emotionales an sich.

Okay, bei dem belass ich es mal, nicht dass schon wieder ein Roman entsteht *g*

Bis bald,
die Andy

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