Hallo an alle,
kennt ihr nicht auch alle den Spruch "Polizei - dein Freund und Helfer"? Dieser mag zwar oftmals zutreffen, nicht aber unbedingt in Estland. Vor allem wenn man nur ansatzweise estnisch sprechen kann (nicht alle Esten sprechen Englisch, nicht mal bei der Polizei), jedenfalls kein beamtenestnisch!
Doch nun die Geschichte von Anfang an:
Vor einigen Tagen haben, wie sicherlich schon längst einigen Leuten hier erzählt, Maria und ich mit drei FSJlern aus der Nähe von Viljandi ausgemacht, dass wir mit dem Auto nach Tallinn fahren. Dazu mussten wir ja noch nicht mal ein Auto mieten, nein, glücklicherweise haben die Herren eines zur Verfügung gestellt, das heißt wir sind dann einfach mit diesem zu Simons Abschiedsfeier. Der Abend an sich war ganz lustig, nicht zuletzt weil ich wieder jede Menge Leute getroffen habe, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Um etwa halb vier haben wir schließlich beschlossen doch mal heimzufahren, immerhin sind's knappe 200km nach Hause und um etwa sechs Uhr wollten wir dann doch wieder zurück sein um noch genügend Schlaf zu bekommen (zumindest Maria und ich, wir wollten aufs Tantsupidu, zu deutsch Tanzfest; die anderen müssen normalerweise sowieso immer um sieben Uhr morgens zu arbeiten anfangen). Denke wir konnten so um dreiviertel vier losfahren und waren um vier raus aus Tallinn. Kaum am Flughafen vorbeigefahren sahen wir mitten auf der Straße (es handelte sich hierbei um eine der estnischen "Autobahnen") ein Polizeiauto stehen, dachten uns aber nichts weiter und fuhren so weiter. Diese Ruhe ließ nicht lange auf sich ruhen, denn nach nur wenigen Minuten holte uns das Auto mit großem Tüdelü und Blaulicht ein. Brav wie wir es in der deutschen Fahrschule gelernt haben fuhren wir rechts ran und warteten bis die Polizisten ausgestiegen und an unser Fenster gekommen sind.
Na gut, bis dahin verlief ja alles noch ganz normal! Wir vermuteten auch noch nicht, dass wir etwas angestellt hätten, was sich später aber leider als nicht ganz so wahr herausstellte, denn unser Fahrer war anstelle der erlaubten 90 km/h 112 km/h gefahren.
Zur Routinekontrolle gehörten natürlich Blasen, das Nachprüfen des Anschnallens und der Fahrzeugpapiere. Nicht kontrolliert wurden unter anderem unsere eigenen Papiere!
Wie dem auch sei... Erst musste nur unser Fahrer aussteigen und zu den Polizistinnen ins Auto (wir anderen dachten uns nur: "Was machen wir bloß, wenn die einfach mit ihm losfahren?"), doch da er überhaupt gar kein Wort estnisch sprechen kann, wurde eine von uns zwei Mädls ins Dienstgefährt hinzugebeten. Maria ist gleich freiwillig aufgestanden, konnte aber auch nicht mehr ausrichten als ihnen zu erklären, dass wir Freiwillige sind, die in Viljandi wohnen und nun eben nur nach Viljandi fahren wollen. Alles zog sich recht lang hin, wir anderen drei machten uns schon mal bequem, da wir einen längeren Aufenthalt erwarteten (womit wir weniger unrecht hatten als wir anfangs nur erwartet hatten wie sich später noch herausstellen sollte).
Was wir noch nicht wussten, uns aber die anderen beiden sofort nach Rückkehr mitteilten, war, dass "etwas mit den Fahrzeugbriefen nicht ganz in Ordnung ist". Aha! Na wunderbar! Und was hieß das nun!? Wir dürfen auf keinen Fall mit diesem Auto weiterfahren! Ah... ok, wenn's sonst nichts ist! Und wie kommen wir heim? Äh ja, das weiß grad noch keiner genau, die können kaum englisch... und sie bestellen soeben einen Übersetzer her. Na dann! So warteten wir erstmal eine Zeit im Auto als es plötzlich hieß, dass Maria, die (was ich hier noch nicht erwähnt hatte) nicht angeschnallt war, da es für den Mittelsitz keinen Gurt gab, und der Fahrer mit aufs Revier müssten. (Maria war übrigens ganz froh, dass sie nicht alleine gehen musste)
Wir nahmen also einfach mal an, dass doch kein Übersetzer kommen würde. Die ganze Situation erschien uns allen so unreal und komisch, dass keiner von uns mehr aufhören konnte auf irgendeine Art und Weise zu lachen. (Maria meinte so z.B., dass es für die Polizistinnen ziemlich komisch sein musste, dass sich die beiden hinten im Polizeiauto auf ihrem Weg einen Ast lachten...)
Nun die durchaus berechtigte Frage was mit uns anderen dreien geschehen soll!? Ja, das kümmerte wohl keinen so wirklich... wir standen ja nur mitten in der Pampa, kurz vor Tallinn, aber doch zu weit davon entfernt um sich zu Fuß auf den Weg zu machen (man bedenke auch wie kalt es um diese Uhrzeit in Estland ist, alleine schon durch den Wind, den's nur so um die Bäume und unser Auto pfiff; ich glaub ich war noch nie so froh wie in diesen Stunden, dass dieser Winter hier so ungewöhnlich warm ist -lieber minus fünf als minus dreißig Grad sag ich da nur!). An sich hieß es dann, dass der Fahrzeugbesitzer und Chef der FSJler uns abholen würde, da er das Auto ja auch abschleppen muss. So sollten wir nun in dem Auto warten bis jemand aus der Nähe von Viljandi vorbeikommt (was geschätzte zwei Stunden dauern könnte) und uns mitnimmt.
Naja, der Polizeiwagen war nun also weggefahren, zusammen mit Maria und dem Fahrer, die vorher noch ganz davon angetan waren, dass es dort im Vergleich zu unserem Auto ja wunderbar warm wäre, und wir saßen in dem Auto, in wir es uns noch bequemer machten um nun eben etwa zwei Stunden schlafen zu können (was anderes blieb uns ja nicht übrig).
Natürlich blieb es nicht dabei!
Etwa eine Stunde später rief nämlich dieser Kerl bei einem von uns an und riet uns ein Taxi zu rufen um irgendwie nach Tallinn zu kommen und so eben nach Viljandi. Aja... wunderbar! Vor allem wenn man bedenkt, dass ich die Einzige bin, die in diesem Kreise auch nur annähernd estnisch sprechen kann! Mit ein paar Brocken versuchte ich uns ein Taxi zu bestellen, wobei diese Versuche, genauso wie die Marias (wir baten sie auch es zu versuchen, sie waren schon wieder draußen aus ihrer Anhörung), komplett fehlschlugen, denn welcher Taxifahrer ist schon so verrückt und fährt eine unbekannte Strecke (wir wussten ja selbst nicht wie weit wir von Tallinn eigentlich entfernt waren!) auf irgend'ne Straße zwischen Tallinn und Tartu ab um irgendwelche eventuellen Kunden mitzunehmen.
Irgendwann wurde es mir so doof, dass ich einfach auf die andere Seite der Autobahn gerannt bin (so gut befahren ist die ja zum Glück nicht um diese Uhrzeit, aber doch gut genug um Chancen auf Mitfahrgelegenheiten zu haben) und versuchte ein Auto zu Stoppen zu bringen (meine Chancen wurden durch die Dunkelheit ziemlich geschwächt, außerdem durch die Geschwindigkeiten und schlechten Ausweichmöglichkeiten nach rechts -denn kurz danach kam eine Brücke), was mir nach etwa zehn Minuten auch gelang. So versuchten wir der darinsitzenden Familie unsere Situation zu erklären, wobei wir die Geschichte mit der Polizei verschwiegen und von einer Panne ausgingen (könnte ja einen komischen Eindruck machen!). Diese riefen nun selbst bei diversen Taxiunternehmen an, denn eigentlich hatten diese ja nicht genügend Plätze für uns frei. Doch nachdem dies ebenfalls nicht klappte und sie aber Mitleid mit uns hatten, nahmen sie uns doch mit (ja, auch zu viert kanns einigermaßen okay auf einer Rückbank sein -war danach sowieso enttäuscht, dass uns nicht schon wieder eine Polizeistreife aufgehalten hat) und ließen uns am Busbahnhof raus, was für uns ja optimal war!
Dort warteten also um inzwischen 7.25 Uhr die beiden anderen, mit denen wir nun noch eine knappe Stunde warten mussten bis der nächste Bus nach Viljandi fährt, nachdem wir den vorherigen um fünf Minuten verpasst hatten...
Ja, wir kamen um etwa halb zwölf zuhause an, die FSJler warteten bei uns auf ihren Bus, der erst zwei Stunden später ging -und die Hälfte des Hofes, auf dem sie arbeiten, war in Tallinn um das Auto abzuschleppen. Die andere Hälfte hatte damit zu kämpfen, dass natürlich genau an diesem Morgen irgendeine Kuh eine Krankheit hatte... es passte schon so einiges wunderbar zusammen!
Was mit Maria und dem Fahrer passiert waren? Nun, Maria wurde verwarnt, der Fahrer wird in etwa einem Monat nochmal in ein Revier bestellt; vermutlich kommt eine Geldstrafe auf ihn zu, aber man weiß es noch nicht genau, schätze ich. Drei Vergehen (Fahrzeugbriefe vor Fahrt nicht überprüft -im Übrigen handelte es sich bei dem Fehler darum, dass das Auto nicht wie in Estland üblich alljährlich zum TÜV geschickt worden war, sondern seit 2006 nicht mehr überprüft wurde-, zu schnelles Fahren auf der Autobahn sowie jemanden nicht Angegurteten mitgenommen) sind da einfach zu viel gewesen.
Wir nehmens alle ganz gelassen, irgendwie war's ja auch nur noch witzig, denn wie viel Pech kann man schon haben!?
Wünsch euch allen was,
die Andy
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1 Kommentar:
Der Bericht ist klasse. Hab echt mitgefühlt mit Euch. Estland ist einfach ein Abenteuer. Wobei mir da etwas Kurioses dazu einfällt. Ich habe mir von meinem "Schweigervater" das Auto ausgeliehen und musste da so ein estnisches Papier ausfüllen wo bezeugt wird dass ich mir das Auto geliehen habe.
Könnte ja auch gestohlen sein. Dieses Papier muss man vorzeigen bei Polizeikontrollen sonst gibts Bussgeld und Probleme. Und da heisst es immer die Deutschen hätten Bürokratie :)
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