Mittwoch, 5. März 2008

Seminaaaaaaar

Ja, auch wenn ich selbst noch gar nicht fassen kann: Die Hälfte meines Freiwilligendienstes ist um! Ob ich dies positiv oder negativ werten soll, weiß ich selbst noch nicht so genau, doch eins ist klar: Diese Monate in Estland waren das Beste, was mir passieren konnte!

Ach, und diese Zeit in Estland ist mit Sicherheit auch cooler als drei Wochen Amerika... ;)

Letzte Woche war ich, wie angekündigt, in Viinistu, einem echt netten (ehemals finnischen)Fischersdorf an der Nordküste auf meinem sogenannten Midterm-Training, dem letzten Seminar in Estland!

Insgesamt müssen wir Freiwillige des EFD/EVS (oder wie ihr es sonst nennen wollt) an vier Seminaren teilnehmen -zwei finden im Entsendeland, zwei im Aufnahmeland statt. Dieses Midterm war mein zweites in Estland...

Vor der Fahrt sah ich es ja als ziemlich nutzlos an -ich mein, Probleme hatte ich keine und sich fünf (!) Tage lang die Probleme anderer anzuhören tut selbst meinem gutmütigen und angeblich so hilfsbereiten Gemut nicht sonderlich gut! Außerdem befrüchtete ich, dass uns lange Vorträge darüber gehalten werden wie schlecht doch unser Estnisch sei, dass wir viel zu faul sind, mehr initiieren sollten usw. Achja, und Kennenlernspielchen? Darüber will ich gar nicht sprechen...

Als wir in Tallinn auf die nette, junge Dame der Nationalagentur stießen, die wir schon vom letzten Seminar, dem On-Arrival-Training, das im November stattfand, [ja, meine Schachtelsätze existieren trotz Bemühungen mancher Lehrer noch immer] her kannten, schienen sich diese Befürchtungen sogar zu befürworten, denn schon kam sie uns mit einem hiesigen Stapel estnischer und russischer Zeitungen entgegen, die wir während unserer Busfahrt Richtung Viinistu lesen sollten (ca. 85 km von Tallinn entfernt).
[Ups, das war nun ein echt langer Satz, sorry, falls ihr zwei- oder gar dreimal lesen müsst!]

Allerdings kam dann doch Alles ganz anders:
Nach der Routine-Vorstellungsrunde, die in ziemlich abgespeckter Version stattfand, da wir uns schon alle gegenseitig kannten, selbst eine der beiden Seminarleiterinnen, deren Freundin im Übrigen diese Woche ein Baby erwartet, durften wir gleich das tun was wir dann das sämtliche Seminar über getan haben: Gestalten!

Das war das Erste, das ich geschaffen habe (und das Einzige, das ich euch zeige, also gebt euch damit zufrieden):

 

Zur Erklärung: Wir sollten eine Postkarte entwerfen, die unserem EVS bzw. Estland entspricht (Tere tulemast Eestisse = Herzlich Willkommen nach Estland)

Die Stimmung des Seminars war die meiste -nein falsch- die ganze Zeit über extrem gechillt, was zum Einen an der tollen Gruppe (kleine Gruppen, in dem Fall von zehn Leuten, sind einfach am besten!), zum Anderen bestimmt auch daran lag, dass wir nur aus Frauen bestanden.

Außerdem wurde uns das Wichtigste gestattet: Sauna! Ganze drei Stunden, bei ca. 100°C, hat also gepasst. Leider wars

Auch Filme haben wir uns angeschaut, The Singing Revolution (die beeindruckendste Dokumentation, die ich jemals gesehen habe) und Viimne Reliikvia (=The last Reliqiuem), den beliebtesten Film in Estland, den ich auch schon in der Arbeit mit meinen Behinderten angeschaut habe, die übrigens jeden Song (Vaba Laps!!) und sogar die meisten Dialoge auswendig konnten...

Was innerhalb des Seminars nun sonst so passiert ist? Wir wurden, so kann man es insgesamt beurteilen, einer Gehirnwäsche unterzogen. Jetzt finden wir uns alle ganz toll und super und klasse und wollen Bäume ausreißen. Naja, vorher sollte wohl geklärt werden inwiefern das in Estland erlaubt ist... Wir wollen doch nicht schon wieder Ärger mit der Polizei ;)

Nach Viinistu will ich im Sommer unbedingt noch einmal. Wieso? Schaut euch doch nur meinen Zimmerblick an:

 

Obwohl Estland zugegebenermaßen tatsächlich klein ist, unterscheiden sich einzelne Abschnitte extrem, wie ich meine; so bin ich als Bayerin extrem von dieser Flachheit im Norden Estlands beeindruckt... die Landschaft, mit Meer und Schnee... oh oh, ja, da wollt ich doch gar nicht mehr nach Tallinn am Ende des Seminars...!

Ach, und für die künstlerisch Interessierten: Im Viinistu Kunstmuseum finden sich Bilder sämtlicher wichtiger estnischer Künstler. Für umgerechnet nur 2 Euro (für uns Freiwillige natürlich umsonst) kann man sich Gemälde und Skulpturen in insgesamt Millardenhöhe anschauen... sowas findet man auch nur in Estland.



 










Bevor ich nun aber vor Begeisterung komplett abhebe, mach ich lieber schluss und feixe mit Maria weiter...

Liebe Grüße wünscht
die soeben überaus glückliche Andy

PS: Wir haben euch nun eingeholt, obwohls doch im Dezember schon um halb vier stockdunkel war, also nachtschwarz!! Jetzt ists um sieben noch relativ blau -ällabäääätsch! (Dafür brach ich schon mal morgens in Panik aus, da ich annahm, dass ich verpennt hätte; war schon zu hell hehe)

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